"Car-Sharing" spart nicht nur Geld

Quelle: Leonberger Kreiszeitung (1.10.2004)

RENNINGEN - "Car-Sharing" wird in Renningen immer beliebter. Inzwischen teilen sich bereits 118 Nutzer insgesamt zehn Autos. Seit Mitte September ist in Malmsheim ein zweiter Wagen stationiert.

Von Christoph Achenbach

Viele Autos stehen die meiste Zeit in der Garage und werden nicht genutzt. Wenn sich dagegen mehrere Menschen ein Fahrzeug teilen, lassen sich die mobilen Möglichkeiten besser ausschöpfen. Das Prinzip des "Car-Sharing'' erfreut sich wachsender Beliebtheit - zumal die hohen Benzinpreise den eigenen Wagen immer teurer machen. "Wir haben uns den Zweitwagen gespart'', sagt die Malmsheimerin Jutta Philippin. Stattdessen hat sie mit ihrer Familie wie auch die anderen an dem Projekt Beteiligten 1000 Euro hinterlegt. "Das Geld bekommen wir verzinst wieder, wenn wir aus dem Verbund aussteigen'', erläutert Philippin das Prinzip.

Das Fahren selbst kostet die Teilnehmer je nach Fahrzeug 20 bis 40 Cent pro Kilometer. Oder, wenn es doch einmal zur Ruhe kommt, eine Stundenpauschale. Keine Anschaffungskosten, keine Versicherung, kein Tüv, keine Reparaturen - bezahlt wird nur für die Kilometerleistung. Besonders schön ist aus Jochen Breutner-Menschicks Sicht, dass die Teilnehmer so von den Preiskapriolen an den Tankstellen unberührt bleiben. Breutner-Menschick ist einer der Pioniere dieses Modells in Renningen. "Aus der Not geboren'', entwickelte sich Anfang der neunziger Jahre die Idee, die zwei Autos in seiner von drei Personen bewohnten Wohngemeinschaft sinnvoll zu teilen. "Ich wollte nicht immer bis abends warten, ehe ich wusste, ob ich das Auto haben kann'', erinnert sich Breutner-Menschick. 1997 kam dann der dritte fahrbare Untersatz hinzu. Langsam wuchs mit der Zahl der Beteiligten auch die Fahrzeugflotte.

Vom Mercedes-Kleinbus bis zum Smart reicht heute die Bandbreite. Im vergangenen Jahr wurden bei 1955 Einsätzen mit sieben Fahrzeugen knapp 90 000 Kilometer zurückgelegt. Großen Zulauf erhält die Gruppe aus den Vereinen, wenn etwa ein Mitglied dort Positives über "Car-Sharing'' berichtet, so Breutner-Menschick. Inzwischen sieht er das Modell in Renningen und Malmsheim fest etabliert.

Obwohl eine gute Planung zum Prinzip von "Car-Sharing'' gehört, wollen die Nutzer auf eine gewisse Spontaneität nicht verzichten. "In Renningen steht immer ein Auto'', sagt Jutta Philippin, die auch mal mit dem Fahrrad in den anderen Teilort fährt, wenn in Malmsheim gerade kein Wagen zur Verfügung steht. Sollte es sich aber häufen, dass spontane Fahrten nicht möglich sind, weil gerade kein Auto zur Hand ist, "dann kaufen wir eben einen weiteren Wagen'', erklärt Breutner-Menschick.

Wer ein Auto an einem bestimmten Tag nutzen möchte, der muss sich in den Kalender eintragen. Der wird zusammen mit dem Schlüssel an einem zentralen Ort in einem Tresor aufbewahrt. Hier gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. "Die meisten planen relativ langfristig'', spricht Philippin aus Erfahrung. Abstimmung untereinander gebe es lediglich für Fahrten mit dem Mercedes-Bus. Mit dem fahren die "Car-Sharer'' gern in den Urlaub. Noch beliebter ist aber der Smart. 18 000 Kilometer hatte der kleine Flitzer im Jahr 2003 auf dem Buckel.